deutsch | english | français









Werke

Peintures Graphiques Éditions Photographie Mosaïque Vitraux Peinture murale

Publikationen > Ein Weg - Mein Weg

Die Kunstmappe «Ein Weg - Mein Weg» wurde anlässlich des 80. Geburtstages von Franz K. Opitz gestaltet. Sein langjähriger Freund und Kunstkenner Dr. Hans A. Lüthy hat darin eine Laudatio verfasst:

Zu Franz K. Opitz

Text von Hans A. Lüthy

Die im Ersten Weltkrieg geborene Generation von Schweizer Künstlern erlebte in ihrer Ausbildungzeit einen Konflikt zwischen traditioneller und ungegenständlicher Malerei, der sich 1936 in zwei Ausstellungen in Bern und Zürich offen manifestierte. In Bern fand die 18. Nationale Kunstausstellung statt, bei deren Eröffnung gleich drei Bundesräte anwesend waren, im Zürcher Kunsthaus die Avantgarde-Schau "Zeitprobleme in der Schweizer Malerei und Plastik", für deren Katalog Max Bill und Siegfried Giedion Texte schrieben. Während die offizielle Veranstaltung in Bern die vertrauten gegenständlichen Künstler ausstellte, hatten in Zürich die "progressiven" Kräfte Gelegenheit, sich (zumeist) erstmals einem grösseren Publikum vorzustellen. Beide Ausstellungen hatten Polemiken zur Folge, in denen beispielsweise Manuel Gasser mehrfach engagiert für die Progressiven kämpfte. Dabei wurde klar, dass die in Zürich vertretenen Künstler wie etwa Max Bill oder Leo Leuppi fast ausschliesslich an eine kleine Elite von Kennern appellierten; in Bern dagegen sah das Publikum fast die gleichen Künstler wie in den Museen, und diese gewannen wiederum die spärlichen Staatsaufträge. Die zunehmende Bedrohung durch den Nationalsozialismus und die bevorstehende Schweizerische Landesausstellung 1939 liessen jedoch in der Folge der Avantgarde kaum eine Chance, und die Landi selbst war dann ganz auf die Erhaltung von möglichst eigenständigen Traditionen ausgerichtet.

Die Erinnerung an diese Zeit ist deshalb so wichtig, weil sie den Weg des Malers Opitz teilweise erklärt. Bei konservativen Lehrern wie Willy Fries und Otto Séquin ausgebildet, wandte sich Opitz vorerst früheren Vorbildern zu, vor allem den Exponenten der westschweizerischen Landschaftsmalerei des 19. Jahrhunderts wie dem Genfer Barthélemy Menn, dem Lehrer von Ferdinand Hodler. Menn hatte eine spezielle Art von sorgfältig gebauter Landschaftsform entwickelt, die den jungen Maler in Zürich besonders interessierte. Den künstlerischen Gegenpol stellte für ihn der Lausanner François Bocion dar der meisterhafte Darsteller des Genfersees in allen seinen atmosphärischen Stimmungen. Opitz erlernte damals das Handwerk des Künstlers von Grund auf und eignete sich ebenso verschiedene graphische Techniken wie Holzschnitt, Radierung und Lithographie an. Gegen Ende des Zweiten Weltkrieges und in den anschliessenden Jahren hielt sich Opitz öfters und länger in Paris auf, wo er eine Serie von Stadtlandschaften schuf. Die Reihe dieser Pariser Ansichten zeigt bereits einen hohen Grad von eigenständiger Meisterschaft und verdiente es, wieder ans Licht gezogen zu werden.

Mit Beginn der 50er Jahre beteiligte sich der in Zürich sesshafte Opitz regelmässig an Wettbewerben für staatliche und kirchliche Aufträge an Wänden und Fassaden, vor allem in der Mosaiktechnik. Die damit verbundene Beherrschung grosser Flächen schlug sich auch in seiner Malerei nieder; der Stil wird zusehends abstrakter, und der Künstler stösst nun bis in den Bereich der Ungegenständlichkeit vor. Dabei überträgt er seine besonderen Qualitäten auch in die neuen Kompositionen: Sensibilität, Tektonik und grösste Sorgfalt in der Wahl der Farben. Sensibilität bedeutet bei Opitz eine hochentwickelte Fähigkeit zum Sehen, sei es in der Natur oder in der ganzen Welt der sichtbaren Erscheinungen. Es ist die gleiche Fähigkeit, die ihn zu einem exzellenten Fotografen machte. Bei Opitz wird der Ausschnitt zu einem Gleichnis der Natur oder einer Szene mit Menschen. Obschon er sein bildnerisches Werk von seiner Fotografie getrennt hält, unterliegt beides ähnlichen Gesetzen. Dabei kommt die erwähnte Qualität der Barthélemy Menn abgeschauten Tektonik zur Geltung; in den bei Opitz eine eigene Gattung darstellenden Aquarellen aus Italien, Spanien und Griechenland sind die den Süden oberflächlich charakterisierenden Einzelheiten unwichtig. Dafür überträgt Opitz den für uns Touristen höchstens unbewusst entstehenden Eindruck von Harmonie zwischen Meer, Felsen und Ebene in eine künstlerische Einheit. Er verwendet dafür fast irritierend auch vegetabile Formen und Linien, welche die starren architektonischen Flächen zu durchdringen scheinen und damit ein Wechselspiel von Transparenz und Dunkelheit erzeugen. Zuletzt die Wahl der Farben: Opitz hat eine nur für ihn gültige Farbenwelt erfunden; schon sie allein macht seine Werke völlig unverwechselbar, und ich kenne keinen andern zeitgenössischen Künstler, der das Spiel zwischen gebrochenen und reinen Farbtönen derart virtuos beherrscht wie er. Opitz ist seit 1949 Mitglied des "Vereins für Originalgraphik", der ein Jahr zuvor gegründet worden war. Dessen Zweck, Liebhabern moderner Graphik gute Werke zu erschwinglichen Preisen anzubieten, gab Opitz die Chance, Graphiken in den verschiedensten Techniken zu verwirklichen. Die Blätter von Opitz sind heute in der ganzen Welt bekannt und verbreitet, vor allem in der heute selten gewordenen Aquatintamanier. Iris Burgdorfer-Elles schreibt von kleinen Meisterwerken und fährt fort: "Mit ihren collageartig zusammengefügten und sorgfältig aufeinander bezogenen Form- und Farbsegmenten strahlen sie eine Gelassenheit und Harmonie aus, die heiter stimmt." Ähnliches könnte auch über Opitz' Glasmalerei gesagt werden, wo er allerdings ein ganz anderes Format bewältigt. Sein jüngstes Kirchen-fenster in der Kirche Obfelden von 1988 scheint wie eine Summe der Erfahrungen des Künstlers in der Bewältigung grosser Flächen und der entsprechenden Technik, die Opitz nun ganz ausnützt. Es ist ihm hier gelungen, die grosse Tradition der kirchlichen Glasmalerei eines Augusto Giacometti und Max Hunziker fortzuführen. Wirksamer als in den zahlreichen früheren Mosaikwänden kann Opitz in der Glaskunst das stets wechselnde Licht berücksichtigen und dadurch eine übersinnliche mystische Atmosphäre erzeugen.

Franz Karl Opitz kann auf einen langen künstlerischen Weg zurückblicken. Diesen Weg ist er genauso sorgfältig gegangen, wie seine Werke komponiert sind. Wie er sich vom Gegenstand zugunsten der reinen Abstraktion abwendet, geschieht es nach einer langen Reifung, und er beherrscht den neuen Stil, als hätte er ihn sein Leben lang gepflegt. Die grossen Sprünge sind nicht seine Sache, ebensowenig wie Geschrei oder Propaganda. Man wünscht der Schweiz mehr Künstler wie Opitz.


< Zurück


Franz K. Opitz | Verwaltung
Elisabeth Opitz, la Garde, Montagne de Moutier 25, 2740 Moutier
Tel. 032 4927260, Handy 079 316 84 20 , info@franz-k-opitz.ch